Virtuelle Einsamkeit

Januar 21, 2007

Einen anonymen Blog zu schreiben, den fast keiner liest (oder Leute, die aus anderen Gründen da sind – eventuelle hätte ich für die Abbruchspost selbst einen eigenen Blog anlegen sollen, zur Info für die, die’s angeht – wenn diesen Blog aber eine Abbruchsinteressierte liest, lässt sich sich vielleicht von der Überschrift „soziophobe Angstpatientin“ nachteilig beeinflussen :-(

Also nochmal: Das Gute daran, einen anonymen Blog zu schreiben, den fast keiner liest, ist dass man nicht so sehr versucht ist, etwas zu schreiben, das einen den anderen möglichst angenehmen Eindruck von einem macht. Beim Schreiben meines anderen öffentlichen Blogs ist es mittlerweile so, dass ich die Blog-Hits den ganzen Tag über checke, als wäre das eine Art Barometer über meinen Wert (vermittel über die Attraktivität meines Blogs). Auch der andere Blog von mir hat nur ein paar Tausend Hits für über ein halbes Jahr (eine Freundin von mir hat über 200.000 geschafft!) erreicht.

Wenn man aber immer auf die Beliebtheit schielt, dann kann man kaum man selbst sein – und dabei will ich so gerne endlich mal ich selbst sein können, am besten jetzt, bevor ich ganz vergesse, was ich eigentlich wert bin. Tatsächlich ist es auch so, dass ich den „Tonfall“ den ich hier in diesem Blog annehme, auch unsympatisch finde – trotzdem will ich mich bemühen ihn möglichst nicht zu verstellen. Wenn das hier eh keiner liest, wär das doch sinnlos.

Habe eben ziemlich viel über generalisierte Angststörung im Netz recherchiert. Die schlechte Nachricht: Die Heilungschancen sind nicht besondes gut, sämtliche Konfrontationstherapien funktionieren ja nicht, weil man ja gar nicht weiß, was man konfrontieren soll, wenn man nicht weiß, wovor man Angst hat.

Die noch schlechtere: Es besteht die Gefahr, dass es sich in eine chronische Erkrankung umwandelt.

Die gute Nachricht: Mm, noch nicht so sehr eine gute Nachricht, aber immerhin kommt es mir sovor, als ob man dieses dauernde sich selbst Verrücktmachen (das in meinem Fall ja gar nicht mal so explizit wird, weil es so unterschwellig abläuft) vielleicht irgendwie aushebeln könnte, indem man es als reines Symptom betrachtet.

Solang einem vor Angst ganz schwindlig ist, ist das freilich schwierig zu erreichen :-(

P.S. Erhöhter Harndrang gehört auch zu den Symptomen – und selbst, was das angeht, scheine ich ein klassischer Fall zu sein :-?

P.P.S. Noch ne Selbstbeobachtungserkenntnis: Auf dem anderen Blog lese ich jedes Post, das ich selbst verfasst habe, x-mal und prüfe seine „Außenwirkung“ – hier ist es mir völlig egal. Vielleicht sollte ich die Kommentarfunktion sogar ganz abschalten, zur Sicherheit.


Neueste Angsttransformationen

Januar 21, 2007

Meine Angst – bzw. die Konstellation aus Symptomen, die als Angst zu bezeichnen ich mir angewöhnt habe – hat sich mal wieder verändert. Irgendwie macht sie das ständig, und ich bin mir nicht sicher, ob das dann jeweils zum positiven ist. Ich würrde das gerne so sehen, andererseits ist das eh so schwer überhaupt zu beschreiben, wo sich die Änderungen vollziehen, dass man erst recht nicht erwarten kann, dass es da eine Art gesichertes Forschungsergebnis gibt, das einem jetzt bestätigen oder negieren würde, dass es besser wird :-?

Man kann etvl dass es sich körperlich derzeit stärker als Angst anfühlt. Als der Ärger spürbar los ging im September 2003 (so lang schon!) da fuhr mir regelrecht von einem Moment auf den anderen ein Schmerz in den Bauch. Mir ging es davor schon nicht mehr Spitze und ich kann mir oft vor wie ein Schauspieler, wenn ich unter Menschen war, aber ab dem Moment wurde es richtig schwer. So als wäre einem aufeinmal der Zugang zu sich selbst abgeschnitten, und jede Art von sich mit der Weltauseinandersetzung klappte nur noch mechanisch. Alles musste überlegt sein, nichts ergab sich von selbst. Mit Menschen reden, Witze machen, auf jemanden reagieren, einen Gang im Büro lang gehen, alles erforderte bewusste Koordination. Kein Wunder, dass man von so einer Anstrengung dann Burnout kriegt!

Den ganzen Weg dazwischen kann ich nciht in aller Kürze nachvollziehen. Festhalten kann man dass es derzeit weniger schmerzt und mehr zittert im Bauch. Herz scheint schneller zu schlagen, generell erinnert alles physiologisch mehr an Angstzustände. Und Sozialkontakte nehme ich derzeit nicht auf, weil es dann schlimmer wird – nciht unbedingt, wenn ich dann unter Menschen bin (das hängt allerdings sehr von den Menschen ab), aber wenn ich überlege, Kontakt herzustellen.

Klingt ja alles so einfach, nicht? Muss man nur mal realisieren, dass man keine Angst haben muss – na, aber das macht erst mal. An diesem WE habe ich mich jedenfalls nur verschanzt. Allerdings wüsste ich hier ja noch nicht mal, wenn ich überhaupt anrufen sollte. Mir fehlen eben die Freunde hier – und ich muss dringend hier weg.


Aua!

Januar 19, 2007

Einsamkeit tut weh. Und irgendwie bin ich zu blöd, mich selbst daraus zu befreien, obwohl eh alles selbst verschuldete Einsamkeit ist. Aktuell habe ich ganz aufgegeben, weil es einfach zu viele Gründe dafür gibt, es gar nicht erst zu versuchen. Im Zweifelsfall ist Angst der Grund der bleibt, und die Tatsache, dass ich mich aufgrund meiner Angst so dämlich benehme.

Nach dem heutigen Gespräch mit meiner Therapeutin haben wir die Bereiche in denen ich ein Sozialleben entwicklen könnte, in drei unterteilt:

  1. Einzelkontakte
  2. Pärchenkontakte
  3. Freundeskreis

Den letzten Punkt haben wir gleich mal ad acta gelegt. Es kann Jahre dauern, bis man sich einen Freundeskreis aufgebaut hat, der stabil ist und ich bin auch einfach schon zu oft umgezogen.

Pärchenkontakte sind jetzt weniger interessant, aber durchaus nicht unangenehm. Pärchenkontakte sind eigentlich gehobener Smalltalk (gegen den ich aber nix habe). Wobei ich die Pärchen, die an Freunden von mir dranhängen, lieber mag als die die an meinem Freund dranhängen, gerade die Frauen (seine Kumpels haben alle so Nullachtfuffzehnnormalo-Freundinnen). Meine Freunde sind allerdings weit weg (und das ist gut so, insofern scheitere ich nicht jede Woche x Mal daran, mich bei ihnen zu melden, so wie früher, als wir in einer Stadt gewohnt haben).

Kommen wir dann zu den Einzelkontakten. EIgentlch habe ich gedacht, dass ich da gar nicht schlecht bin, bei näherem Hinsehen ist das allerdings ein Irrtum. Sämtliche in meinen Bereich zur Verfügung stehenden Personen traue ich mich eigentlich nie anzurufen, es denn ich, es ist beim Treffen auch noch jemand anderes (i.d.R. eine zweite Person) dabei. Die Angst, direkt auf eine Person zuzugehen, erscheint unüberwindbar. Wo ich es doch schaffe, sind es Leute, die mich eigentlich interessieren. Oder es ist jemand der mich interessiert, ich bin dann aber so paralysiert, dass ich den ganzen Abend nicht aus meinem Schneckenhaus rauskomme.

So lässt es sich dann gut erklären, warum dann hinterher doch immer wieder das Alleinsein wartet. Meine ganz besondere Stärke ist allerdings, dass mir Einsamkeit echt relativ wenig ausmacht :-)


Neues von der Angstfront

Januar 17, 2007

Hm. Leider ging es erstmal nicht weiter mit der expliziten Angst, insofern hat sich möglicherweise nix wirklich dramatisch geändert. Ein bisschen sitzt sie mir wie immer im Magen, spannt das Zwerchfell an und raubt mir m.E. damit ne Menge Energie. Musste konzentriert aber zugleich ziemlich isoliert von der Außenwelt die letzten Tage vor mich hinarbeiten. Keine Höhepunkte, aber auch keine besondere Tiefpunkte. Grrrrrrrr – möchte nicht, dass mein Leben so ewig weiter vor sich hin geht. Oh, eh schon Mittwoch – bis Freitag muss ich mir Gedanken darüber gemacht haben, wie ich mein Sozialleben leben will. So jedenfalls nicht – mag gar nicht mehr nach Hause gehen, so belanglos ist das nach Hause kommen. Und wenn ich zuhause bin, dann mag ich nicht schlafen gehen.

Immerhin gut (und ganz vergessen): Bis vor ca. einem Jahr hatte ich auch noch fast jeden Tag mittlere Dermatillomanie-Schübe. Die sind über das letzte Jahr fast verschwunden – was ich über Jahre nicht geglaubt hätte:-) Ein Kategorie Dermatillomanie werde ich jedenfalls nicht anlegen, die Dermatillomanie-Leute, die ich in Foren kennengelernt habe, sind fast nur mit Make-up und Schönheitstipps beschäftigt – m.E. genau das Falsche für dieses Problem. Die sollen sich hier gar nicht erst blicken lassen. Mir sind die Abtreibungs-Interessierten schon genug ;-) (insgeheim hatte ich ja doch gehofft, vielleicht so Blogger mit generalisierter Angststörung zu finden, glaube ich – und jetzt werde irgendwie nur die Schwangerschaftsabbruchspost gelesen).


Echte Angst statt generalisierte?

Januar 16, 2007

Gestern war ich auf einer kleinen sozialen Veranstaltung, bei der ca 20 Menschen zugegen waren, aber keineR davon wirklich mit mir befreundet. Also ein ganz normales Horrorszenario.

Üblicherweise (und ohne dass ich was dagegen machen könnte) reagiere ich darauf mit einer Art mentalem Ausklinken: Wenn man davon ausgehen kann, dass soziale Interaktion wie eine Sprache ist, die man eben qua Sozialisation lernt, dann ist sie für mich in solchen Augenblicken eine Fremdsprache, die ich nur aus den Büchern kenne.

Entsprechend muss ich mich um jeden Kontakt bemühen, jede Art von Interaktion ist wie eine mühsam erlernte Vokabel, von der ich nicht genau weiß, ob sie wirklich korrekt ist, weil mein Lehrbuch möglicherweise total veraltet war.

Gestern war das irgendwie anders – irgendwie lief es fast wie von selbst, es gab auch hier ein paar Untiefen, aber dennoch merkte ich mir sowas wie eine natürliche Herzlichkeit (die ich ja schon immer an mir vermisse). Gleichzeitig aber hatte ich Angst – echte Angst, also Herzrasen bis hin zur Schummrigkeit und der Befürchtung ich könnte gleich ohnmächtig werden davon. Für meine Empfinden war das aber deutlicher artikulierte Angst als das sonstige Ausklinken (das ich ich immer als codierte Angstreaktion verschlüsselt habe).

Und sei es nur weil es was neues ist: Ich würde diese echt fühlbare Angst dieser unangenehmen Abwesenheit sofort und jederzeit vorziehen.


Meine Angst hat nix mit Abtreibung zu tun

Januar 15, 2007

Da die paar Leute, die diesen Blog besuchen, sich in der Regel mehr für die Abbruchspost interessieren als für die Angstposts, zur Sicherheit ein kurzes Statement:

Meine Angst hat damit nichts zu tun, d.h. wurde nicht dadurch ausgelöst und hat auch nicht zu einem Schwangerschaftsabbruch geführt (wenn mein Freund trotz noch nicht abgeschlossenem Studium für ein Kind bereit gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich mich dafür entschieden – aber wie die wirtschaftliche Lage derzeit ist, geht es eben nicht).

Ich hab ne generalisierte Angtstörung, sogenannte „frei flottierende Angst“, bei man längst nicht mehr weiß, was der eigentliche Urheber ist oder war.

Das nur zur Klärung bzw. Sicherheit.


Aufgabe für diese Woche

Januar 13, 2007

Diese Woche soll ich (Auftrag meiner Therapeutin) darüber nachdenken, wie ich mir den idealen Kontakt mit Menschen vorstelle. Da ich immer sage, dass ich mir wünsche, mit Menschen in Kontakt zu treten, soll jetzt abgeklopft werden, ob das wirklich der Fall ist oder nicht nur eine idealisierte Vorstellung von Sozialleben (um ehrlich zu sein: Welcher Mensch möchte wirklich lieber allein sein als in einem sozialen Umfeld aufgehoben zu sein? Diejenigen, die allein sind, sind meiner Vermutung nach – wie ich – vor allem aufgrund von irgendwelchen Ängsten so zurück gezogen….)


Virtuelle Angst

Januar 13, 2007

Ich sollte mich unter Umständen daran gewöhnen, dass ich auch noch soziophob bin – bzw. hängt meine generalisierte Angststörung wohl damit zusammen. Habe mich eben erstmal mit einem Online Computerspiel auseinandergesetzt, bei dem man selbst als virtueller Charakter rumläuft und andere virtuelle Charaktere trifft… und während mir an Email ja bislang immer gelegen hat, dass ich da scheinbar ohne meine albernen Ängste mit jemandem kommunizieren kann, war das hier ein Schock: Bin angekommen in dieser virtuellen Welt und fand mich auf einem Platz wieder an dem immer wieder Menschen aus verschiedenen Richtungen ankamen und sich dann erst mal unterhielten – die Angst die mich furchfuhr, war exakt die gleiche, die mich überkommt, wenn ich auf dem Weg in mein Büro durchs Foyer komme, wo ständig Leute vorbeikommen oder evtl. schon stehen und sich unterhalten. Da bin ich dann gleich wie versteinert, Grüßen etc. habe ich mir natürlich beigebracht und ich glaube nicht, dass mir jemand meine Angst anmerkt. Aber innerlich steh ich total unter Druck dabei.

Tja, und ein virtueller Raum, in dem Menschen simulierte Körper haben und deshalb visuell den Raum einnehmen können, macht mir anscheinend genauso viel Angst wie ein wirklich Raum. Mist.


freunde fragen

Januar 11, 2007

Habe eben per email meine beste Freundin gefragt, ob sie an mir irgendwelche Charakterschwächen wahrnehmen kann und wenn ja welche. Würde mich nie trauen, sie meine beste Freundin zu nennen, aber sie hat das Word eben verwendet :-)

Sie sagt, da gäb es keine nix – hab noch anderes in der Mail geschrieben, etwas dass ich glaube, dass mich prinzipiell alle Menschen furchtbar finden. Keine Ahnung. Meine Therapeutin meint, dass sollte ich dann wohl mal fragen, ich wollte das erst nicht tun, weil ich nicht die Verantwortung dafür, wie ich mich fühle, jemand anderem zuschieben will. Wenn sich jemand umbringt, fühlen sich ja schließlich auch alle schuldig (zumindest ein bisschen), und darum soll’s ja schließlich nicht gehen.

Sie hat mir eine liebe Mail zurück geschrieben – insgeheim ertappe ich mich dabei, dass ich ihr aber doch nicht ganz glaube, dass sie es schöner ausdrückt als sie es wirklich empfindet, damit ich mich besser fühle (wer würde bei so einer Frage dann schon ehrlich sein, wenn es den Anschein hat, dass das gegenüber etwas von der Antwort abhängig macht).

Vermutlich ist diese Reaktion aber dann auch schon wieder Teil meiner Störung.


Angstcheck

Januar 9, 2007

In der Tat hatte ich heute kaum besondere Angst zu verzeichnen – ein wenig sitzt mir noch im Bauch (dort sitzt sie immer), aber sie schnürt den Bauch nicht zu, wie sie es sonst gerne tut. Vielleicht verändert sich grad was – hab heute erstmals drüber nachgedacht, die Therapie zu beenden (im April 05 habe ich angefangen und die erste isses auch nicht, siehe erster Eintrag dieses Blog). Nicht, weil die Angst ganz weg wäre, aber weil vielleicht der Weg, den diese Therapeutin und ich zusammen gehen können, bald beendet ist. Wie neulich geschrieben, probiert sie es jetzt mit der „Ich bin ungeduldig“-Methode. Andiskutierte Lösungen drehen sich immer um Angstbewältigung.

Beispiel: In die Cafeteria auf der Arbeit zu gehen, macht mir immer ziemlich Angst und meine unmittelbaren Kollegen gehen auch nur sporadisch essen (weil sie durcharbeiten oder sich was mitbringen). Ansatz meiner Therapeutin ist dann, es doch zu probieren, quasi „die Angst zu konfrontieren“. Ich halte das für Blödsinn. Ich war schon in xtausend solcher Situationen und ich weiß, dass ich diese Situationen bewältigen kann, wenn ich muss. Die Angst geht allerdings nicht weg davon. Vielmehr bin ich der Ansicht, dass dies nicht anstrebenswerte Ziele sind – in eine Cafeteria gehen zu können (letztlich erspare ich mir damit viel Dünnpfiff, den meine Kollegen erzählen, und das Essen dort ist auch zu fett).

Ich habe neulich von einer Situation in der Therapie erzählt, in der ich etwas tat, was mir furchtbare Angst gemacht hat, und ich schon angefangen hab zu zittern. Laut meiner Therapeutin bin ich dann in einer solchen Situation „ganz am Leben“, „spüre das Leben in mir“ und das halte ich auch für Blödsinn. Also ob das etwas anstrebendswertes wäre, dieser Zustand. Richtig ist allerdings, dass mir eine solche konkrete Angst 1000Mal lieber ist als die konfusen Ängste die ich meistens habe. Aber eben weil sie sonst so konfus sind (generalisierte Angst nennt sie das), gibt es dann auch nichts zu überwinden. Welches Ziel soll ich mir setzen, wenn ich nicht weiß, wovor ich Angst habe?