Gestern habe ich noch eine Freundin getroffen, die ich leider nur alle zwei bis drei Jahre sehe, weil sie auf einem fernen Kontinent weilt. Um 10 trafen wir uns und um 16 Uhr musste ich schon wieder fahren – war äußerlich einigermaßen entspannt während der Zeit. Innerlich lief’s nicht ganz so gut. Die Angstringe, die sich in Wien kurz gelegt hatten, lagen wieder dicht um meinen Bauch (und da liegen sie auch jetzt noch). Irgendwie scheinen sie mir die ganze Energie abzuziehen, denn wenn ich so einen halben Tag in dem Zustand unterwegs bin, dann scheint die Welt immer weiter weg zu ziehen und ich hab wechselweise Angst, verrückt oder ohnmächtig zu werden.
Vor allem vor dem verrücktwerden hab ich Angst. Ich wünschte ich könnte irgendeinem der Menschen die ich kenne, vermitteln wie ich mich fühle. Wenn die Welt sich entfernt, dann muss man sich sehr anstrengen, ihr überhaupt Sinn zu entreißen, und um so schwieriger wird es, mit ihr und den Menschen darin in Kontakt zu treten. Meistens bin ich dann parallel auch so müde, dass ich an Ort und Stelle am liebsten nur einschlafen würde. Für mich müssten sämtlich Städte mit Schlafcafés ausgestattet sein. Da es nicht mal irgendwo solche Schlafcafés gibt, nehme ich an, dass dieser Zustand, der mich in der Öffentlichkeit meist ergreift (wo auch sonst… unter Menschen hab ich ja die größte Angst, und wenn ich allein bin versuch ich mich davon zu erholen), kein Massenphänomen ist:-=
Heute war ich dann auch in der Klinik wegen der Einnahme der Abbruchsmedikamente. Ich hatte selbst schon vermutet, dass die Schwangerschaft eventuell sich selbst beenden könnte, da ich vorletzte Nacht furchtbare Unterbauchschmerzen hatte und die Vaginalflüssigkeit leicht rotbraun war. Der Arzt bestätigte die Vermutung – allerdings kann man da leider nicht drauf setzen.
Das erste Medikament, Mifegyne, das ich vor Ort einnahm, erklärte er mir in etwa so: Mifegyne setzt sich an alle Hormonrezeptoren, an denen sonst die Schwangerschaftshormone ansetzen. Der Fruchtreifung wird damit der Boden entzogen. Das allein kann schon zu einem Abgang führen. Um den Prozess aber wirklich steuerbar zu machen, wird ann zwei Tage nach Mifegyneinnahme ein Krampfmittel verabreicht, das innerhalb von 2 bis 3 Stunden zu Gebärmutterkontraktionen führt. Das ist der Teil, an dem es dann wirklich schmerzhaft werden wird. Schmerzmittel habe ich gleich mit den Krampfmitteln nach Hause mit genommen.
Alles in allem ist die Klinik (das Gynmed Ambulatorium Salzburg) erleichtert wertfrei im Umgang mit Abbruchspatientinnen. Der Arzt erklärte alles sehr vernünftig und gleichzeitig auch beratend – empfahl mir, mich dringend um eine vernünftige Form der Verhütung zu kümmern, ohne zu irgend einem Zeitpunkt paternalisierend zu wirken. Ein erstaunliches Vermögen.
Knackpunkt ist, dass ich nie regelmäßif hormonelle verhütung eingenommen habe (weil nie vorher in einer so festen Beziehung, die das empfehlen würde). Vor anderthalb Jahren, als ich mit meinem Freund zusammenkam, hab ich dann die Pille angefangen zu nehmen – und mir prompt eine Thrombose auf einem Flug eingefangen. Seitdem haben wir danach mit Kondomen und Kalendertagen versucht zu verhüten. Scheinbar erfolglos.