Kurze Vorstellung

Dezember 15, 2006

Das ist nicht der erste oder einzige Blog, den ich habe, aber die Dinge, über die ich hier schreibe, würde ich niemals auf meinen anderen Blogs schreiben. Meine anderen Blogs sind nicht gelogen, sie blenden nur vieles aus. Sie blenden all meine Ängste aus. Im Kern meiner Angst steht dies: Ich hasse mich. Ich verabscheue mich an schlimmen Tagen mit jeder Faser meines Wesens. Ich sehe mich im Spiegel und was ich sehe ist nur verabscheuungswürdig. Darum ist es so wichtig, dass ich auf meine Selbstdarstellung achte – sonst könnte ich mich selbst gar nicht ertragen. Ich komme mir vor wie eine Zumutung für alles und jeden.

Darum achte ich auf meine Aussehen, aber examinere genauso intensiv mein Verhalten, meine Worte, meinen Tonfall, meinen Gang, kurz: alles meiner Außenwirkung.

Es gibt natürlich auch Momente, in denen ich mich einigermaßen ertragen kann. Es gibt sicher etliche Leute, die nicht einmal ahnen, wie sehr ich mich verabscheue. Für meinen Beruf habe ich mir eine eigene Persona zugelegt – sicher machen das die meisten Menschen. Ich bin froh darüber, dass ich mich hinter dieser Persona der Professionalität verstecken darf, sonst könnte ich wohl gar nicht arbeiten.

Ich habe auch einen Freund – keine Ahnung, wie ich das geschafft habe. Mein Freund ist wirklich der wunderbarste, wärmste, schönste, witzigste Mensch den ich kenne. Darum bin ich auch überzeugt, dass er mich eines Tages verlassen wird. Wir sind seit 1.5 Jahren zusammen, aber es kann gar nicht sein, dass so ein wunderbarer Mensch wie er mit so einem Scheusal wie mir zusammen bleibt.

Gestern feierten er und seine Freund eine kleine spontane Weihnachtsfeier, zu der er mich telefonisch eingeladen hat. Schon am Telefon war ich mir sicher, dass er mich nur der Form halber anruft, weil man der Freundin eben Bescheid sagen muss – rational kann ich mir nachkonstruieren, dass das möglicherweise nicht so war und dass ich diese Wahrnehmung nur hineinlese, aber ich kann meine Wahrnehmung dadurch nicht ändern. Ich musste noch etwas länger arbeiten, da heute mein Urlaub beginnt, und so war es schon recht spät, als ich endlich Zeit hatte.

Dennoch bin ich nicht gleich zu der Feier gegangen – ich ging erst mal nach Hause und habe mir etwas zu essen gemacht. Ich habe überlegt, wer wohl bei der Feier sein könnte. Ich hab oft Angst vor sozialen Events, weil ich nie weiß, wie ich drauf sein werde. Manchmal bin ich wie erstarrt weil ich in allen Augen Ablehnung zu lesen meine – und zwar weiß ich dass ich mir auch das zu einem Teil einbilde (eben nur zu einem Teil, denn wenn man selbst glaubt, dass einen alle ablehnen, dann strahlt man selbst auch eine gewisse Reserviertheit aus), doch komme ich dann einfach nicht raus aus dieser Erstarrtheit. Bei manchen Leuten ist das stärker, bei anderen schwächer. Zwei Leute fielen mir ein, die wohl sicher da wären und bei denen ich fast immer erstarre, daher habe ich dann beschlossen, dass ich nicht gehen würde um mir und denen diesen Krampf zu ersparen.

Ich hab meinen Freund dann angerufen und hab mich erstmal entschuldigt, dass ich schon wieder absagen würde (wie man sich denken kann, sage ich häufiger ab). Er klang ein bisschen enttäuscht. Er sagte erst ok und dann „Ach geh, komm doch.“ Ich ertappte mich bei der Antwort „Ich mag aber nicht“ (und ich mag auch nicht, weil ich Schiß habe), und merkte dabei, wie beschissen das klingt. Wie eine Scheiß komplizierte Zicke, die sich zu gut ist für die Freunde ihres Freundes.

Trotzdem konnte ich jetzt nichts daran ändern. Ich konnte da nicht hin, nach dem Telefonat schon gar nicht. Das würde ich nicht hinkriegen.

Ich bin ins Bett gegangen und sah vorm Einschlafen zum xten Mal unsere Beziehung auseinanderbrechen. Auseinanderbrechen, weil ich wie besessen glaube, dass mich alle hassen. Weil ich glaube mich verstecken zu muessen. Weil ich glaube, dass ich den Leuten was gutes tue, wenn ich ihnen meine Answesenheit erspare. Weil ich unfähig bin zu sehen, dass ich meinen Freund verletze, wenn ich mich immer zurückziehe. Und weil ich es nicht hinkriege, meine Ängste zu bewältigen und weil ich deswegen sogar selbst schuld sein werde am Ende der Beziehung.

Was tun? Ach ja, Therapie. In einer Stunde ist meine nächste Therapiestunde. Ich habe bisher auf dem Buckel:

4.5 Monate stationäre Therapie (mit 20)
1.5 Jahre ambulante Therapie (darauf folgend)
2 Jahre ambulante Therapie (29-30)
kurze Pause
1.5 jahre ambulante Therapie (31 bis jetzt)

Ich kann meinen Selbsthass also immer besser beschreiben. Trotzdem finde ich immer noch, dass ich am besten abgeschaltet werden sollte. Traumatische Erlebnisse in der Kindheit? Da fällt mir nix ein als die Scheidung meiner Eltern. Im Vergleich zu dem was andere durchmachen mussten, war meine Kindheit ein Traum.

2 Antworten zu “Kurze Vorstellung”

  1. Tom Sagt:

    Meiner Freundin geht’s irgendwie auch so, wenn auch nicht so schlimm.
    Gibt’s eigentlich eine Selbsthilfegruppe für uns nette Typen die immer an schwierige Frauen geraten?

  2. angstpalast Sagt:

    Tja, du kannst ja mal eine gründen. Es gibt bestimmt Selbsthilfegruppen für Frauen, die cholerische Männer haben. Da läuft es letztlich daruf hinaus, dass die Frauen lernen, sich von den Männern zu trennen – und damit von der Co-abhängigkeit in der sie stecken.

    Keine Ahnung ob so eine Abhängigkeit auch bei dir/Männern mit schwierigen Frauen besteht. Wenn es der Fall wäre, solltest du lernen dich davon bzw von der Freundin zu trennen.

    Genau das ist ja mein insgeheimer Horror. ich weiß, dass es schwierig ist mit jemandem zusammen zu sein, der sich selbst so verabscheut wie ich. Und ich weiß darum auch, dass es daher jede Menge gründe gibt, warum unkomplizierte Frauen attraktiver sind oder irgendwann sein werden. Vermutlich wird mein Freund mal richtig froh sein, mich Weirdo los zu werden. Vielleicht sogar mit Hilfe einer Selbsthilfegruppe.

    Das tut weh, aber vermutlich bin ich echt eine Belastung, für die man eine solche Gruppe braucht.


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